Himmlisch

„Nacht der Tenöre“ hielt, was sie versprach

ROTHENBURG – Ein Feuerwerk aus Arien illuminierte jüngst die Reichsstadthalle, die vor dem inneren Auge an diesem Abend ob der grandiosen Darbietungen ein wenig zur Arena von Verona oder zur Mailänder Scala wurde. Dabei bevölkerte keine Hundertschaft die Bühne. Ein kleines, erfahrenes und fein agierendes Ensemble aus vier Instrumentalistinnen und drei Tenören zelebrierte die Anmut der italienischen, der spanischen Oper sowie der Canzone napoletana.

Belcanto vom Feinsten: die Tenöre bezauberten. Foto: Düll

Auch dem, der solchen Best-of-Programme gemeinhin eher mit Distanz begegnet, konnte dieser Abend nur eine Freude sein. Die „häppchenweise“ Oper bereitete in jedem Moment vollendeten Genuss. Ein Fest des Belcanto: mitreißend, berührend intensiv, mit Soli von charismatischer Durchdringung. Sie reichten von der so gerne gehörten Blumen-Arie aus Georges Bizets Oper „Carmen“ („La fleur que tu m’avais jetée“) über  „Und es leuchteten die Sterne“, eine Arie aus Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ bis hin zu Franz Schuberts Wiegenlied „Schlafe, schlafe, holder süßer Knabe“, das zusätzliche Popularität erlangte unter dem Titel „Mille cherubini in coro“ in einem Arrangement von Alois Melichar.

Fesselnd auch die instrumentalen Intermezzi, die keinesfalls nur verbindendes Beiwerk, sondern als innige, von natürlicher Brillanz erfüllte Interpretationen für sich standen. Ob das Albinoni zugeschriebene Adagio, ob Dvoraks „Humoreske“ oder Brahmsens „Ungarischer Tanz Nr. 5“: Die Musikerinnen an Violinen, Piano und Cello entfalteten ein wundervoll rundes, warmes, stim­miges Klang­­bild. Im Mittelpunkt freilich stand das Kehlengold. Die drei Tenöre, allesamt international erfahrene Opernsänger, erfüllten das äußere Strahlen mit inwendigem Glanz. Zusätzliche Farbe erwuchs aus  ihren Temperamenten.
So gibt Boris Taskov, ein gebürtiger Bulgare, den Belcanto lust­voll athletisch, mit sängerischer Bril­­lanz voll echter Ge­fühlslei­den­schaft. Sein Landsmann Momcil Karaivanov begeisterte bei ebenbürtigen  Qualitäten als Spezialist für dramatische Fein­zeichnung, während der Dritte im Bunde, Georgios Filadelfefs aus Athen, das lyrische Moment in seinem strahlkräftigen Gesang subtil pflegt.
Ein Hochgenuss auch die Terzette, in denen die drei in perfekter Einheit mit dem neapolitanischen Lied „Torna a Surriento“, mit russischer Seele („Schwar­ze Augen“) oder dem Bach-Gounodsche „Ave Maria“ bezauberten.
Geschliffen schöner, inniger Gesang trugen auch die Hits des zweiten Teiles, darunter der herzige Ohrwurm „Santa Lucia“. Ja, selbst ein für deutsche Ohren so strapazierter Schmachtschlager wie „Mamma“ erlangte hier in der italienischen Originalversion ein ganz eigene Würde. Ein Paradestück hob sich das Ensemble für den Abschluss auf: „La donna è mobile“ – „O wie so trügerisch sind Weiberherzen“ aus Giuseppe Verdis Oper Rigoletto.
Nicht nur vom Finale zeigte sich das Publikum hingerissen.  Insbesondere nach der Pause entwickelte sich trotz der überschaubaren Zuhörerzahl eine Begeisterung, wie sie bei klassischen Konzerten in der Reichsstadthalle selten zu erleben ist. Seufzer des Entzückens  und laute Bravos, umspült von frenetisch gischtendem Applaus, feierten die Darbietungen. Das Publikum und die Musiker trug eine Welle gemeinsamen Empfindens, und es lag bestimmt weit mehr als eine Artigkeit im Kompliment Tenor Georgios Filadelfefs‘ , der am Ende der mit heißen Herzen erklatschten Zugaben auf Englisch als Kompliment an die Zuhörer von einem außergewöhnlich „wunderbaren“ Konzert schwärmte. hd

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