Mit dem Riesenpensum
Ehrenamtliche leisten Enormes beim Rothenburger Reiterlesmarkt
ROTHENBURG – Was wäre der Reiterlesmarkt ohne sie? Viele Freiwillige tun kostenlos Dienst in den Ständen und sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass ihre nicht gewerblichen Einrichtungen oder ein Anliegen, das sie unterstützen, zu finanziellen Mitteln kommt.
Wieviele es insgesamt sind, die sich hier engagieren und Budendienst schieben? Genau lässt sich das nicht sagen. Dienstpläne werden immer wieder kurzfristig über den Haufen geworfen und jemand muss einspringen. Fest steht: Irgendwo im dreistelligen Bereich liegt die Zahl der Freiwilligen, die allein an den nicht gewerblichen Ständen grillen, am Waffeleisen stehen oder einfach heiße Getränke ausgeben oder sonstwie agieren.
Bereits im fünften Jahr dabei sind beispielsweise die Footballer der „Franken Knights“. Ihr Präsident Helmut Huprich spricht heuer von „Rekordgewinnen“. Das liege, sagt er bescheiden, „am Bekanntheitsgrad“. Den Besuchern sei nun klar, „Franken Knights“ verkaufen Feuerzangenbowle (mit und ohne Alkohol), Met und Käsebrot. Das kommt an.
Die „Franken Knights“ decken mit den Erlösen Schiedsrichter-Entgelte, Trikots, Hallenbenutzung, Passbearbeitungsgebühren und anderes. Die Ritterschar, mit der sich die Footballer den Stand und auch den Dienst dort teilen, hat die Bude zusammengezimmert. „Stefan Holzhauser nahm die Sache damals in die Hand und wir sind froh über die Gemeinschaft,“ erzählt uns Dr. Achim Gleiß, der am vergangenen Samstag zusammen mit Romana Geupert und Elke Ehrmann eingeteilt war. Die erzielten Einnahmen teilen sich die zwei Vereine etwa im Verhältnis 70 (Footballer) zu 30.
Für die Arbeit ihres eigenen Vereins aktiv sind auch die Mitglieder des TSV, gleich in zwei großen Imbissbuden. Vier Vereinsmitglieder schuften an den Wochentagen, sechs jeweils an den Wochenenden. Hans Gab, einziger hauptamtlicher Mitarbeiter des 2600 Mitglieder starken Vereins, bekräftigt: Übungsleiter wollen bezahlt werden, die Geschäftsstelle, die Turnhalle und so weiter. „Unsere Gelder vom Reiterlesmarkt fließen querbeet ein in die Fachgruppenarbeit. Ein breites Spektrum.“
Zufrieden zeigt sich in Bezug auf die Umsätze auch Bürgermeister Kurt Förster, selbst wenn nach seinem Eindruck in diesem Jahr unter der Woche „weniger läuft als in den Vorjahren“. Er verantwortet den Stand des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen. Laut Förster fließen etwa zwei Drittel des Geldes in Projekte in Susdal und verstärken das regelmäßige finanzielle und ideelle Engagement Rothenburger Bürger in der russischen Partnerstadt. Ein Drittel wird für den Jugendaustausch zur Seite gelegt. Am vergangenen Samstag schieben dort Ursula Ilgenfritz, Leonie Stroh und Franziska Wohlfahrt Budendienst, als wir vorbeikommen, und versorgen gerade einen Besucher mit heißem Glühwein.
Die „Zeitspenden“ in der Sozialbude organisiert zum zweiten Mal in Folge Hanne Stanzel vom Verein Hilfe für Katzen in Not. Insgesamt nehmen sich mehr als zehn Organisationen einen, zwei oder drei Tage im Advent, um ihre jeweiligen Anliegen öffentlich zu vertreten oder Artikel dafür zu verkaufen. Darunter sind die Wegwarte, das Förderzentrum und die Gustav-Adolf-Frauengruppe, die laut Stanzel diesmal ein Selbsthilfeprojekt in Griechenland unterstützt.
Als wir dort vorbeikommen am vergangenen Samstag steht Tanja Bassler in der Bude. Sie ist Vorsitzende des Vereins für Katzen in Not. Doris Leuckert (mit Fan-Mütze) und Eva Himmel (mit geschminktem Katzengesicht) verkaufen Tombola-Lose.
Aber die in der Sozialbude ehrenamtlich Aktiven sind nicht ausschließlich für ihre eigenen Zwecke vor Ort. Sondern sie verständigen sich zusätzlich auch wieder auf ein gemeinsames gemeinnütziges Förderprojekt. Die Einnahmen aus dem Postkartenverkauf 2012 sind für den Ausbau des Jugendbereichs in der Stadtbibliothek bestimmt. Am heutigen Montag ist die Arbeiterwohlfahrt an der Reihe. Es folgen am Dienstag und Mittwoch die „Rappelkiste“, am Donnerstag die Aphasiker und von Freitag bis Sonntag das Tierheim.
In der „Tansania-Bude“ von St. Jakob ist Familienschicht, als wir dort vorbeischauen am vergangenen Samstag. Carmen und Hardy Kühlwein betreuen den Stand zusammen mit ihrer Tochter Hannah. Waffeln und heiße Getränke gehen über die Theke.
Am Grünen Markt stoßen wir auf eine Gruppe, die auch ehrenamtlich unterwegs ist. Es handelt sich um Geografie-Studenten der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Sie führen eine Befragung durch zum Thema Weihnachtsmärkte. Der Reiterlesmarkt ist einer von bayernweit insgesamt sieben auf der Liste. Lea Pfeffel, Lisa Bauer, Viktoria Pugach, Kristin Bernsdorf und Christoph Hemmer sind per Zug in dreieinhalbstüdiger Fahrt nach Rothenburg gekommen aus der Landeshauptstadt und haben in der Jugendherberge übernachtet.
Sie und 13 Kommilitonen widmen sich bei einer umfassenden Untersuchung vier Weihnachtsmärkten in München, dem Nürnberger Christkindlmarkt, dem Thurn-und Taxis-Weihnachtsmarkt in Regensburg und dem Reiterlesmarkt.
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